Die Janusköpfigkeit der digitalen Revolution und die Zeitgeschichte

21. Oktober 2019

Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb
Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte

Die Zeitgeschichtsforschung wird im 21. Jahrhundert mit einer unübersehbaren und teilweise global zugänglichen, riesigen Menge von Quellenmaterialien konfrontiert werden. Diese neuen Massenquellen können nur mit konzisen methodischen und theoretischen Konzepten sinnvoll analysiert werden, wobei teilweise hohes technisches Know-how erforderlich ist (Stichwort: Text Mining). Gleichzeitig werden zunehmend Quellen aus dem Bereich der Verwaltung und Politik nicht mehr archiviert und zugänglich gemacht. Dies trifft in noch größerem Ausmaß auf private Quellen wie E-Mail-Korrespondenz, SMS, WhatsApp etc. zu. Letztlich könnte es passieren, dass politische Entscheidungsprozesse nur mehr sehr lückenhaft – wenn überhaupt – rekonstruiert und interpretiert werden können. Auch stellt sich die ethische Frage, ob rassistisches Material (zum Beispiel aus der Zeit des Nationalsozialismus) öffentlich digital ohne Einschränkungen zugänglich gemacht werden soll.

(c) Matthias Cremer

 short&sweet: Oliver Rathkolb im Kurzinterview